Pausenhof
Forschungsergebnisse der empirischen Bildungsforschung zu den Voraussetzungen, Bedingungen und Wirkungen von Bildung sind eine wichtige Grundlage für bildungspraktische und bildungspolitische Entscheidungen. Sie müssen daher auch Akteur*innen außerhalb der Wissenschaft angemessen vermittelt werden. Vor diesem Hintergrund setzen sich Studierende der Erziehungswissenschaften der TU Dortmund im Rahmen des Seminars „Empirische Bildungsforschung to go: Aktuelle bildungswissenschaftliche Erkenntnisse im Podcast“ mit bildungswissenschaftlichen Studien auseinander, die sich auf verschiedene Sozialisations- und Bildungsinstanzen beziehen. Dabei bereiten sie das methodische Vorgehen und die Ergebnisse dieser Studien in einer allgemeinverständlichen und unterhaltsamen Weise auf und stellen sie interessierten Hörer*innen im Rahmen des Podcasts „Pausenhof“ zur Verfügung.
Frühe Sprachförderung beginnt zu Hause: Wie sozioökonomische Risiken und häusliche Lernumgebungen die Sprachkompetenz von Vorschulkindern beeinflussen

Willkommen zur ersten Folge der neuen Staffel unserer Podcast-Reihe!
Heute beschäftigen wir uns mit einer Studie, die untersucht, wie sozioökonomische Risikofaktoren und verschiedene Aspekte der häuslichen Lernumgebung die Sprachkompetenzen, also Wortschatz & Grammatik, von Vorschulkindern in Deutschland beeinflussen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, inwiefern familiäre Lebensbedingungen sowie alltägliche und kulturelle Aktivitäten im Elternhaus zur sprachlichen Entwicklung von Kindern beitragen können.
Die Studie „Relations between socio-economic risk factors, home learning environment and childrens language compentencies: Findings from a German study“ von Kluczniok und Mudiappa aus dem Jahr 2018, die im European Educational Research Journal veröffentlicht wurde, basiert auf Daten des Nationalen Bildungspanels und gibt Einblicke darin, welche Rolle soziale Ungleichheit bereits im Vorschulalter für Bildungsprozesse spielt.
Kluczniok, K. & Mudiappa, M. (2018). Relations between socio-economic risk factors, home learning environment and children’s language competencies: Findings from a German study. European Educational Research Journal, 18(1), 85–104. https://doi.org/10.1177/1474904118790854
Gemeinsame Spielsituationen als Motor für den kindlichen Wortschatzerwerb

Warum sprechen manche Kinder mit zwei Jahren schon in ersten Sätzen, während andere erst einzelne Wörter benutzen? Und was hat die Bildung der Mutter damit zu tun? In unserer neuen Folge werfen wir einen Blick auf eine große deutsche Längsschnittstudie, die genau diesen Fragen nachgeht. Wir beschäftigen uns mit sozialen Disparitäten in der frühen Sprachentwicklung von zweijährigen Kindern und der Frage, welche Rolle sprachstimulierende Interaktionen im familiären Alltag dabei spielen.
Bereits im Alter von 26 Monaten zeigen sich Unterschiede im Wortschatz – insbesondere in Abhängigkeit vom Bildungsniveau der Mutter. Auf Grundlage von Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) untersuchen Linberg, Attig und Weinert, inwiefern sogenannte sprachbezogene Joint-Attention-Episoden – also gemeinsam geteilte Aufmerksamkeitsmomente zwischen Mutter und Kind – diese Unterschiede vermitteln können. Im Mittelpunkt stehen dabei der Wortschatzumfang der Kinder, das Interaktionsverhalten der Mütter sowie der Zusammenhang zwischen familiärem Bildungshintergrund und früher Sprachentwicklung. Wie viel Einfluss haben sogenannte Joint-Attention-Momente wirklich? Und reicht frühe Sprachförderung aus, um Bildungsungleichheit auszugleichen?
Die Studie „Social disparities in the vocabulary of two-year-old children and the mediating effect of language-stimulating interaction behavior“ wurde 2020 von Anja Linberg, Manja Attig und Sabine Weinert im Journal for Educational Research Online veröffentlicht. In unserer Folge ordnen wir die zentralen Befunde ein, diskutieren methodische Stärken und Grenzen und beleuchten die Bedeutung der Ergebnisse für Fragen der frühen Bildungsförderung und Chancengleichheit. Jetzt reinhören und erfahren, warum Sprache schon im Kleinkindalter mehr ist als nur Worte.
Linberg, A., Attig, M. & Weinert, S. (2020). Social disparities in the vocabulary of 2-year-old children and the mediating effect of language-stimulating interaction behavior. Journal for Educational Research Online, 12, 12–35. https://doi.org/10.25656/01:20971
Wenn Lernen die Freude verliert – Wie Schule das Wohlbefinden prägt

Warum sinkt bei vielen Schüler*innen im Laufe der Schulzeit das subjektive Wohlbefinden und welche Rolle spielen Lehrkräfte dabei? In dieser Folge unseres Podcasts gehen wir genau dieser Frage nach. Als zentrale Grundlage dient uns die Studie „The longitudinal development of students’ well-being in adolescence: The role of perceived teacher autonomy support“, die im Journal of Research on Adolescence von Ruben Kleinkorres, Justine Stang-Rabrig und Nele McElvany veröffentlicht wurde.
Diese Längsschnittstudie zeigt, wie sich Schulzufriedenheit, Lernfreude, Gesundheit, soziale Integration und die wahrgenommene Autonomieunterstützung durch Lehrkräfte über mehrere Jahre entwickeln. Dabei wird deutlich, dass das Wohlbefinden vieler Schüler*innen im Verlauf der Schulzeit abnimmt und dass besonders erlebte Selbstbestimmung im Unterricht eine entscheidende Rolle spielt. Außerdem werfen wir einen Blick auf die PISA-Studie 2022 und fragen uns, ob schulisches Wohlbefinden und Leistung stärker miteinander verknüpft sind, als man vielleicht denkt. Neben den Studienergebnissen teilen wir persönliche Erfahrungen aus der eigenen Schulzeit und diskutieren, was Schule braucht, damit Lernen nicht nur erfolgreich, sondern auch motivierend und gesund ist. Ebenso wird die eigene Meinung einer Lehrkraft eingeholt für eine Vielfalt an Perspektiven zum Thema.
Am Ende bleibt die Frage: Wie müsste Schule aussehen, damit Schüler*innen sich langfristig wohlfühlen und ihr Potenzial wirklich entfalten können?
Kleinkorres, R., Stang‐Rabrig, J. & McElvany, N. (2023). The longitudinal development of students’ well‐being in adolescence: The role of perceived teacher autonomy support. Journal of Research on Adolescence, 33(2). https://doi.org/10.1111/jora.12821
Eltern, Peers und Angst: die wichtigsten Faktoren für jugendliches Wohlbefinden – ein globaler Vergleich

Eltern, Peers und Angst: Was prägt das Wohlbefinden von Jugendlichen weltweit? Was brauchen Jugendliche wirklich, um sich wohlzufühlen? Sind es gute Noten, ein starkes soziales Umfeld oder ein unterstützendes Elternhaus? In dieser Folge unseres Podcasts beschäftigen wir uns mit der Frage, welche Faktoren das subjektive Wohlbefinden von Jugendlichen weltweit am stärksten beeinflussen. Grundlage ist die internationale Studie „The most salient global predictors of adolescents‘ subjective Well-Being: parental support, peer support, and anxiety“ von Yi-Jhen Wu und Jihyun Lee (2022) aus dem Journal Child Indicators Research. Die Studie bezieht sich auf Daten von über 365.000 Jugendlichen aus 47 Ländern weltweit. Mithilfe eines Decision-Tree-Modells untersuchen die Autorinnen, welche Rolle elterliche Unterstützung, Peer-Beziehungen, schulische Leistung, Motivation und Angst für das Wohlbefinden spielen und welche Faktoren überraschenderweise weniger bedeutsam sind.
Ergänzend werfen wir einen Blick in die Praxis: In einem Interview mit einer pädagogischen Fachkraft und einer Lehrerin einer freien Schule diskutieren wir, wie Beziehungsarbeit und ein unterstützendes Lernklima im Schulalltag umgesetzt werden können. Das Interview wurde von uns anonymisiert und nachvertont.
Wu, Y.-J. & Lee, J. (2022). The most salient global predictors of adolescents’ subjective Well-Being: parental support, peer support, and anxiety. Child Indicators Research, 15, 1601–1629. https://doi.org/10.1007/s12187-022-09937-1
Quellennachweis: Sounds übernommen von https://hoerspielbox.de/





